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Informationen zur politischen Bildung (Heft 284)
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Editorial |

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Christine Hesse
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In einer Demokratie zu leben, ist für die Mehrheit der Deutschen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Das Recht, bei politischen Wahlen mitzuwirken und die eigene Stimme in einer korrekten Auszählung gewertet zu finden, die Möglichkeit, sich gegen Unrecht und staatliche Übergriffe mit Hilfe der Gerichte zur Wehr zu setzen, die Freiheit, die eigene Meinung ohne Gefahr für Leib und Leben äußern und sich nach eigenem Gutdünken politisch engagieren zu können, sind in Deutschland jedoch relativ junge Errungenschaften: Nachdem die Weimarer Republik auch an der mangelnden Begeisterung der Bevölkerung für die Demokratie gescheitert war, kam Westdeutschland erst ab 1945 unter tatkräftiger Starthilfe der Alliierten Siegermächte in ihren Genuss und die Ostdeutschen mussten bis zum Jahr 1989 darauf warten.
Im Gegensatz dazu hatten sich die europäischen Nachbarn im Westen, England und Frankreich, - genau wie die USA seit 1776 - längst in zähen und teilweise blutigen Auseinandersetzungen ihr Anrecht auf politische Teilhabe erkämpft. Trotz zeitweiliger Einbrüche, konnten sie demokratische Spielregeln immer fester in ihrem Alltag verankern. Damit lebte im 18. Jahrhundert ein politisches Prinzip wieder auf, das seit seiner Entstehung in der antiken Polis Athens nie unangefochten war.
So deutete der Althistoriker Moses Finley 1973 in seinem Buch "Antike und moderne Demokratie" auch eine Textstelle von Aristoteles. Dieser verpackt darin seine Kritik an der athenischen Demokratie in das hintersinnige Urteil, die beste Demokratie werde in einem Staat zu errichten sein, der eine relativ agrarische Bevölkerung besitze, "die auf dem Lande verstreut lebt, einander selten begegnet und auch nicht das Bedürfnis zu solchen Zusammenkünften hat." (Politik 1319a19-38)
Die Herrschenden haben die Demokratie nie freiwillig gewährt. Ihre Geschichte, die Gegenstand dieses Heftes ist, wurde begleitet von Kämpfen um politische Beteiligung. Das Ergebnis sind Kompromisse, Mischverfassungen aus repräsentativen und direktdemokratischen Elementen mit unterschiedlichen Ausprägungen freiheitlicher Rechte, nach denen die Mehrzahl der aktuell 120 Demokratien der Erde heute regiert wird.
Genauso belegt der Rückblick aber auch die Wandlungsfähigkeit der Demokratie, ihr Vermögen, sich immer wieder an neue gesellschaftliche, kulturelle, und wirtschaftliche Verhältnisse anzupassen. Dabei wurden allmählich immer breiteren Kreisen Chancen auf politische Teilhabe eingeräumt.
Derzeit vollziehen sich in Deutschland gesellschaftliche und ökonomische Veränderungen, die auch bislang sicher geglaubte politische Strukturen in Frage stellen. Dass diese Strukturen demokratisch bleiben und die Veränderungen unter möglichst breiter Beteiligung der betroffenen Menschen stattfinden können, ist keinesfalls selbstverständlich - es wird entscheidend von der Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger abhängen, sich für die Demokratie zu engagieren. |
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19. März 2010
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Schriftenreihe |
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Die geglückte Demokratie
Diktatur, Nationalsozialismus und zwei Weltkriege: Konnten die Deutschen nach 1945 die Demokratie erlernen? Die Zweifel waren groß. Heute ist Deutschland eine der stabilsten Demokratien der Welt. |
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